Will die Politik die Elektromobilität?

Wenn wir uns nur den Anteil der Energiesteuer (= Mineralölsteuer) an den gesamten Steuer­einnahmen der Bundesrepublik Deutschland ansehen, der 2016 bei 40,1 Milliarden € (= 5,6 %) lag, ist nachvollziehbar, warum die deutsche Politik keinen Biss hat die Elektromobilität voranzubringen.

Anstatt das Problem an der Wurzel anzufassen, „prüfe man erstmal mehrere Optionen“, wie z. B. verpflichtende Vorgaben oder ein Pluspunktesystem für Hersteller. Dass das nicht funktioniert hat doch der Dieselskandal bewiesen. Hier müssen seitens der Politik klare, verbindliche Vorgaben her. Erst darauf zu warten, dass ein flächendeckendes Ladesystem aufgebaut wird, ist der falsche Weg!

Die Hersteller, die immer noch nicht begriffen haben, dass die Zukunft elektrisch ist, haben nicht verdient im Markt zu bleiben! Statt zunächst kleine, verbrauchsarme und kostengünstige Elektroautos für die Kurzstrecke und den Stadtverkehr auf den Markt zu bringen, und damit eine Initialzündung zu geben, vergeudet die Branche Zeit mit „sportlichem Look“, neuer „Elektro-Ästhetik“, neuesten Fahrerassistenzsystemen und „autonomen Fahren“.

Aus Statistiken ist zu entnehmen, dass drei Viertel aller Wege auf den motorisierten Individualverkehr entfallen und im Durchschnitt 39 km am Tag zurückgelegt werden. Die Gesamtfahrleistung der Pkw belief sich 2016 auf insgesamt 625,5 Milliarden Kilometer. Jeder Pkw fuhr dabei durchschnittlich 14.015 Kilometer pro Tag.
Auch wenn diese Zahlen nicht mehr aktuell sind, dürfte die tägliche Gesamtwegstrecke pro Person deutlich unter 50 km liegen. Und das sind Strecken, die mit heutiger Batterietechnik jedes Elektroauto lässig schafft, bevor es wieder eine Steckdose braucht!
Für diese große Anzahl an Autofahrern reicht die heimische Steckdose zum Aufladen zunächst einmal aus. Mittelfristig sollten dann schon ein flächendeckendes Lade- und Schnelladesystem und vielleicht auch ein Batteriewechselsystem aufgebaut werden.

Und hier gilt es anzusetzen, wenn wir mehr Elektromobilität schaffen wollen.

Unsere Autofahrer sind in zwei Nutzertypen aufzuteilen. Erstens die überwiegend Kurzstreckennutzer, prädestiniert für den Elektroantrieb, wie Privathaushalte und Berufspendler und zweitens die Langstreckennutzer für den klassischen Verbrennungsantrieb für z. B. Handelsvertreter und Gewerbetreibende.

Sollten Kurzstreckennutzer eine längere Reise planen, die mit der Batterieleistung ihres eigenen Fahrzeuges nicht zu bewältigen ist, haben sie die Möglichkeit für diese zwei oder drei Wochen im Jahr ein entsprechendes Auto zu mieten, ggf. auch subventioniert. Dieses gilt es zu propagieren, zumal das Auto in unserer heranwachsenden Generation nicht mehr „das Statussymbol“ ist. Über ein Förderprogramm könnten Sondertarife mit den Autovermietern vereinbart werden, die jedem E-Autonutzer den Umstieg auf kleine, kostengünstige Fahrzeuge vereinfachen würde.

Warum müssen unsere Autos denn immer größer, schneller, leistungsstärker werden? Was will ich mit einem SUV in der Innenstadt, für den die Parklätze doch viel zu eng sind? Kleine Autos sind top! Diese Einstellung gilt es durch entsprechendes Marketing zu fördern.

Wahrscheinlich können mind. 75 % der täglichen Fahrten in einer Stadt den Kurzstreckennutzern zugeordnet werden, die Ihr Fahrzeug dann zuhause wieder aufladen können.
Wenn wir erreichen, dass nur 50 % dieser Nutzer auf Elektro umsteigen, werden wir das Problem Schadstoffbelastung in den Innenstädten sehr schnell in den Griff bekommen. In diesem Bereich sollte dann auch eine stattliche Förderung der Elektromobilität ansetzen. Und zwar vorrangig bei den Nutzern und nicht bei den Herstellern.

Wir sollten den sogenannten Experten entgegentreten, die mit abenteuerlichen Berechnungsmethoden uns weismachen wollen, dass der Preis für einen km-Laufleistung eines Elektroautos so viel teurer ist als der eines Benziners! Die Presse muss endlich aufhören diesen Unsinn zu unterstützen. Es ist richtig, dass die Kaufpreise für Elektroautos derzeit noch sehr hoch sind. Aber mit wachsendem Markt werden die Kaufpreise für Elektroautos fallen und dann ergibt sich bald ein anderes Bild.

Unsere Aufforderung an die Politik sollte lauten:

  1. Holt die wichtigsten Autohersteller und Energieversorger an einen Tisch und schafft umgehend einen europaweiten Standard für Ladestecker und Anschlüsse. Überzeugt die Hersteller sich zunächst auf günstige Kurzstreckenfahrzeuge zu konzentrieren.
  2. Setzt Euch mit Autoherstellern und Mineralölversorgern an einen Tisch und denkt gemeinsam über ein europaweites Batteriewechselsystem nach. Wenn an Tankstellen große Batteriedepots entstehen, können diese gleichzeitig als Energiepuffer für überschüssigen Ökostrom dienen. Alleine hieraus können die Kosten für diese Depots getragen werden. Ein weiterer Vorteil ist, dass zusätzliche Stromtrassen wahrscheinlich überflüssig werden.
  3. Verpflichtet die Energieversorger den Privathaushalten auf Antrag einen kostengünstigen PKW-Ladeanschluss mit Batteriepuffer einzurichten, um über preiswerten Nachtstrom die Fahrzeuge zu laden. Auch hierdurch können Energieüberschüsse aus der regenerativen Stromgewinnung sinnvoll genutzt werden.
  4. Handelt mit Autovermietern Sondertarife für E-Autonutzer aus, die z.B. für den Urlaub ein größeres Fahrzeug benötigen.
  5. Habt Mut, werdet endlich verbindlich und setzt Termine zur Umsetzung. Solange die Politik von Lobbyisten betrieben wird, ändert sich nichts. Erteilt allen Lobbyisten Hausverbot – denn die verhindern nur den Fortschritt!

Jetzt ist Zeit zu handeln. Wenn die Politik endlich anfängt langfristig zu denken und die obigen Anregungen in Ihre Koalitionsverhandlungen einfließen lässt, sehe ich sehr gute Ansätze für den Klimaschutz und den schrittweisen Abbau der Verbrennungsmotoren.
Wenn wir es schaffen, dass in der Bevölkerung ein Umdenken stattfindet und zunächst der Kurzstreckenverkehr elektrisch wird, kommt der Entwicklergeist der deutschen Autoindustrie sehr schnell auf Lösungen für den Langstreckenverkehr. Und der Verbrennungsmotor wird sang und klanglos an Bedeutung verliehren.

Ihr
Busy-Com Team
Dirk Fiedler

 

Schreibe einen Kommentar